Tour de Funk 2012: Bayerischer Hof München

von Will Future am 17. Februar 2012 fein beobachtet
München, Stadt der Zuckerstreuer. Ach nee, das war Hamburg. Herzlich: Will Kommen. Aber erstmal: herzlich Hin Kommen. Klassischer Start um Zehn beim Autoverleih, die Busse sind wiedermal sehr klein. Sellerie, so ist das Leben. Paßt dennoch wieder alles rein, auch weil Peter „Das Licht“ und Tobe „Der Film“ heute krankheitsbedingt fehlen. Good bettering, sportfriends! Der Rest packt den Rest ein, die erstbeste Kaufhalle spendet Trunk und Kuchen. Abfahrt, Sonnenbrille, Autobahn, so muß das sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Bayerische Hof, von außen betrachtet und photographiert. In München liegt schmelzender Schnee zwischen hübsch feudalem Bauwerk. Wir steuern zuerst das Hostel an, wo die Crew nächtigen wird. Dann geht es in den Bayerischen Hof – dem Fünf-Sterne-Deluxe-Hotel, wo das Konzert stattfinden wird und die feinen Herrschaften Musikanten schlafen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Halle des Hotels, der Gegenschuß zum vorherigen Bild sozusagen. Das Hotel erstrahlt in typischer Fünfsterne-Optik: überall Personal, Spiegel und Kronleuchter, eigenes Kino (17Uhr Ziemlich beste Freunde), Concièrge, Fahrstühle mit Zeiger über der Tür, Fahrstuhlführer, Doorman. Ein Doorman ist ein Mensch mit einem Hut, der vor der Tür steht und Menschen einläßt, wenn sie ihm ein Auto überlassen. So ungefähr. Wir irren durch die Katakomben in die Kantine zum Abendmahl, vorbei an einer Dienstbesprechung mit ichweißnichwievielen Leuten und den üblichen Rohren, Getränkekästen und so. Dann Reis mit Scheiß und Kunstzuckercola – naja, allerhöchstens: naja.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man fragt sich bei Werbungen ja oft, für wie blöd die Firmen einen halten, wenn sie ständig Menschen zeigen, die die Bonbontüte oder was auch immer so tragen, daß man immer das Etikett lesen kann. Aber die Flasche hier steht orginal unabsichtlich so da. In echt jetzt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei ominösen Wechselgeldbeschaffungsmaßnahmen erblicke ich Folgendes: warum habe ich in Leipzig eigentlich noch nie so ein Schild auf einem Geldautomaten gesehen. Warum nur, warum? Willkommen am Bankomat. Lala.. Im Anschluß dann Aufbau und mal wieder ewig langer Soundcheck. Zwischendurch Textlernen mit einem Sänger, der anonym bleiben möchte und mir vorher den neuen Scheiß von byebye vorgespielt hat. Daß der Fernseher im Zimmer auch Internet kann, ist ja klar, daß er allerdings mit „Hallo Black Coffee“ grüßt, gefällt schon ein wenig ganz schön. Die Kleiderschränke sind beleuchtet, es gibt sogar einen Apfel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und eine Flasche Wasser. Fairer Preis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir sehen hier das Gemach der temporären WG Urban-Krause. Es steht repräsentativ für anderes (Abbildung ähnlich). Die hiesige Abendzeitung liefert an diesem Tag zwei absolute Highlights. Hach, Abendzeitungen, Zeitungskästen auf den Bürgersteigen (wer hat da Fußweg gesagt?) – München, Stadt des Savoir-vivre.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Abendzeitung geizt nicht mit Platz fürs Photo und auch nicht mit schönen Worten. Da legt der Bayerische Hof natürlich noch ein Schälchen Kaffeebohnen drauf, damit Schwarzkaffee in allen Ecken duften kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber schon die Titelseite kann was. Geile Weiber bringen halt immer Auflage. T-Shirts dürfen heute nicht verkauft werden: „wir mögen das hier nicht so“. Dann halt CDsCDsCDs. Ich beziehe einen muggelichen Stand direkt an der Tür, die um zehn geöffnet wird und fühle mich ein bißchen wie ein Doorman, glaube ich. Jetzt noch ein Hut.. Menschen betreten den Nightclub, zwei davon mit dem Zitat, das hoffentlich zum Standard wird: „Wir sind ja gespannt. In der Süddeutschen hörte sich das ja schon sehr gut an.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Währenddessen tummelt sich le Band im Verborgenen. Hier im Bild: ein Backstage, ein Spiegel, ein Raschid. Und Lämpchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Raschid und Tim tragen Sonnebrillen im Backstage, weil es dort sehr hell ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Macht hier Dan oder doch Raschid den cooleren Eindruck?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Huhdemän!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blogger und Tontechniker im Spiegel, Musikantengewusel ringsum. Zwischen viertel elf und viertel nach zehn startet das Konzert. „Hallo München!“ Kick da funk und Friday night machen den Auftakt, wobei mir besonders bei Zweiterem der Wechsel von Gebläse und Gesinge gefällt. Es folgen I like what you do und Gib mir mehr. Es sind so ungefähr siebzig bis achtzig Leute da, vielleicht auch 81. Weil bei Put your hands on the horn ein Teil des Publikums den Tanz eröffnet, wird spontan der Tower of Power-Klassiker So I got to groove eingeschoben. Der frischgelernte text geht Tim (hoppla, doch verraten) ganz gut von der Hand oder wie man sagt. Raschids Gitarrensolo bei Heiß wird durchaus frenetisch goutiert. Selbst das Personal scheut sich nicht, ein wenig abzudancen. Und wo ich grad die Flöte höre: Simon spielt heute und in Altenburg selbige nebst Bass-Saxophon, Johannes ist dann in Dresden wieder am Start.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Nightclub des Bayerschen Hofes muß man sich ungefähr so vorstellen. Um elf beendet die Kapelle das erste Set und der CD-Verkauf beginnt damit. Fünfzehn Minuten später wird zum zweiten Tanz gebeten bzw. zum Schütteln der Hosen aufgefordert. Nachdem mir wenige Stunden vorher Maike durchaus glaubhaft von ihrer Mandelentzündung berichtet hat, frage ich mich nun, warum man sowas beim Singen gar nicht hört. Also wenn sie singt und ich höre. Dann hört man es nicht. Also ich hab es jedenfalls nicht gehört. So. Schön, daß wir drüber gesprochen haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Le Band im Dunkeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein seltener Blick von hinten über die Bühne. So ungefähr muß also ein Drummer die Welt wahrnehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Philipp und der Masterplan. Im Anschluß wird ein wenig gejammt, bevor Get away und Keep in mind mit Leipzigs, ach was Deutschlands, Barry White dem bunten Abend hinzugefügt werden. Jetzt: We got the answers. Denkste! Soul with a capital S is’es. Da hab ich mich geirrt, sorry. Weil die meisten Menschen aber nach wie vor kultiviert zu Tisch sitzen, preist Tim den Münchner Sitzfunk. Nach The world runs in circles ist um zwölf zum zweiten Mal Schluß. Der eben genannte Sitzfunkerfinder verabschiedet sich mit den souveränern Worten: „Unterstützt uns. Wir wollen berühmt werden.“ vom Publikum.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwischen Bühne und CD-Stand verläuft ein tresenartiges Brett.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir linsen in die Maschine hinein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einer grinst sich einen, der andere verschwimmt. Zwanzig Minuten später (immer schön mitrechnen, Freunde!) geht es mit Houseparty weiter. Klassischer Fall von drittem Set. Eher selten zu erleben, kann man aber durchaus machen. Führt aber zu langen Abenden und ich ahne, daß das mit dem geplanten Blogeintrag noch heute eher nichts wird (Jetzt, da ich diese Worte in meinem Studierzimmer bei Kerzenlicht aus meiner Seele in die Tastatur fließen lasse, ist es Samstag Vormittag um elf, haha.) Balkanfunk, Talking loud und Strobo überzeugen die noch gefühlt dreieinhalb TänzerInnen so sehr, daß das Gelee durchaus am vibrieren ist. Ja, doch, kann man so sagen. Funkomat ist halt immer wieder ein Hit und beim letzten Song des Abends bin ich wieder vollkommen wach, munter wie der Putz: Tobe, es ist natürlich Tonightonightonight. Kurz vor eins ist dann Finito. Aber Grace muß als Zugabe natürlich noch sein. Absolut zurecht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Show wird exquisiter Rotkäppchensekt in den Bayerischen Hof geschmuggelt, der hier sonst wohl nur zum Toilette spülen benutzt wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kir Royal im Glas, ja die Party, die macht Spaß. Kurz nach neun stehen Fränki und ich auf, das Hostelzimmer riecht immer noch nach irgendeinem Putzmittelmischgestank. Vermutlich wurde da ein Mord versucht zu überdecken. Kommissar Future entgeht das aber nicht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer braucht schon ein Fünf-Sterne-Hotel, wenn er vierzehn bekommen kann? Eben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kronleuchter, Spiegel - bei vierzehn Sternen alles inklusive. Das Frühstück ist ganz gut, aber es gibt weder Brezeln noch Weißwurst noch Bier. Dafür überall smalltalkende Backpacker. Do you like your trip to Germany … blablabla … Drink a lot of beer … blablabla … is always good to know the language … blablabla … Backpackers, fahrt zur Hölle, wenn ihr nur Schwachsinn erzählt! Dort riecht es bestimmt auch nicht anders als in Zimmer 116. Fränki und ich düsen im Sauseschritt zurück in den Bayerischen Hof, um die Musikanten und deren Musikanteninstrumente einzupacken. Man sitzt noch im Frühstückssalon, der mit - Entschuldigung! - enorm häßlichen Stühle und enorm häßlichem Geschirr aufwartet. Naja, fünf Sterne sind halt nicht vierzehn.. Also ab in die Garage und dann geht es los.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tiefgaragen sind des Kleinbusses bester Freund. Hier haben wir 2,09m Höhe, überall Porsches und Maseratis, rechtwinklige Kurven und eine Rampe an der Ausfahrt, die so steil ist, daß der Bus trotz Vollgas im ersten Gang verreckt und langsam wieder zurückrollt. Herrlich, alle Kinder steigen aus. Und nochmal mit Vollgas hoch - geht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tim, Fränki und nochmal Fränki als Spiegelei. Na, dann kann's ja jetzt wirklich losgehen! Auf nach Leipzig. Und Altenburg. Und Dresden. Und Undund. es folgen idyllische Impressionen der Reise:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bo Regarr: Sonnenaufgang in der Toskana (2012)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bo Regarr: Sonnenaufgang in der Toskana 2 (2012)


Am Rand der Autobahn steht ein Polizeiauto. Dreier BMW Kombi. Er blickt in den Rückspiegel, sie folgen ihm nicht und er atmet tief durch. Also weiter in Richtung Norden. Das Wetter ist gut, er trägt eine Sonnenbrille. Die anderen sind auch unruhig. Und dann erscheint er doch. Der verfluchte BMW im Rückspiegel. Scheißescheißescheiße. Vollgas. Aber was heißt das schon bei einem vollbeladenen Transporter mit 100 PS. "Guck mal, da hinten. Die Bullen. Folgen uns schon seit zwei Meilen." Verdammt. Nee, kein Blaulicht, keine STOP-Anzeige. Wird schon gut gehen.

Der Polizeiwagen überholt den Transporter. Ganz unauffällig gucken, Leute. Der Wagen schert direkt vor ihnen ein, ganz dicht hinter einem LKW. Okay, keine Panik. "Bitte folgen" ohne Punkt, aber mit Bitte immerhin. "Scheiße, die meinen uns!" Ganz ruhig. Beide Fahrzeuge verlassen die Autobahn und kommen an einer Tankstelle zum Stehen.

Grüß Gott, mein Name ist Oberförster Pudlich. Wir machen hier routinemäßige Ausweiskontrollen." Na herzlichen Glückwunsch. Der Kommissar sammelt acht Ausweise ein und will wissen, was das hier für eine Band ist. "Nur die halbe. Sie sehen es ja selbst." Ob er auch den Führerschein haben wolle. "Haben Sie denn einen?" Zufällig ja. Die Papiere sehen gut aus und so wird der Transporter nicht kontrolliert. Zum Glück, denn er ist bis ans Dach beladen mit illegalen "Posaunen" und "Flöten". Tralala.

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