6.11.11 Conne Island, Leipzig

von Will Future am 07. November 2011 phrasiert
Konzerte im Conne Island haben ja den entscheidenden Vorteil, daß man – insofern man nördlich des Connewitzer Kreuzes beheimatet ist – gar nicht anders kann, als im Deli zwischenzustoppen und Burger nebst Fritten in sich aufzusaugen. Dann nochmal kurz aufs Rad, die Einfahrt hinter und Tischtennisplatte und offene Türen winken zur Begrüßung. Ich winke zurück und gehe schleunigst hinein, weil ich ja um sieben schon da sein sollte. Zehn vor halb acht, der Saal ist leer und es ist anders als es scheint.
Entgegen meiner ersten Interpretation (Soundcheck schon vorbei), heißt es: neeneenee, hat noch gar nicht angefangen. Elzhi selbst hat noch nicht mal den Sound gecheckt, Schwarzkaffee darf erst danach. Schwarzkaffee? Ja, heute steht zum ersten Mal offiziell Schwarzkaffee drauf, zum Beispiel im CEE IEH, dem Hausmagazin des Conne Island:

Schwarz auf weiß: SCHWARZ vor KAFFEE

Dann doch noch: der Soundcheck (© Susann Jehnichen)

 

 

 

 

 

 

Die ehrwürdigen Monsters of Funk von Blackcoffee heizen heute also für Elzhi aus Detroit ein und werten das als Startschuß für die Umbenennung in Schwarzkaffee, die mit der zweiten CD und der dazugehörigen Tour ab 18.01.2012 (Hamburg, Berlin, Bremen, Leipzig, Dresden u.a.) in Stein gemeißelt wird. Bzw. ins Tanzbein oder wie man sagt.

Jedenfalls, heute Conne Island, um acht Einlaß, um neun Beginn. Kannste vergessen. Halb neun fängt der Soundcheck an, halb zehn darf das Publikum das Tischtennispielen auf dem Hof einstellen und sich drinnen mit Bier häuslich einrichten. Ich habe das schon lange getan und den größten Merch-Stand der Vereinsgeschichte bezogen, bestehend aus fünf Bütecs, von denen hier an jeder Ecke welche rumstehen (Bühnenteil-Land). Ich freue mich unheimlich, heute hier zu stehen, weil dieser Merch-Stand mir ja schon so wundervolle Dinge wie den Regenmantel der Sterne oder diese eine Platte da von Kinderzimmer Productions beschert hat. Und Mister Schamoni hat mir grinsend auf seine letzte Platte geschrieben „Für - naja, weiß ja jeder, wie mein Spitzname ist - Dein Rocko.“ Heute also auf der anderen Seite. Unter der Theke finde ich eine schwarze Gaffarollo. Die kleinen Freuden eines Tourbegleiters. Mangels eines Elzhi-Merchandises schaut der Zuschauer an sich auch mal bei mir vorbei, einer der ersten Kommentare: „Das Cover hat doch ein HGB-Student gemacht, oder!?“ Patrick Vollrath, ja. Grüße nach Wales. (oder gerade lieber nach Frankreich?)

Hier treffen das glamouröse Leben der MusikerInnen und der rauhe Alltag der CD-VerkäuferInnen aufeinander

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zehn nach zehn sehe ich neben der Bühne die Monsters of Funk mit den Hufen scharren, die wenig später die HANDS ON THE HORN legen. Man spielt im offiziellen Kostüm und von nun an ohne Noten. Das sieht unglaublich viel besser aus und zeigt, daß Schwarzkaffee deutlich mehr kann als noch Blackcoffee seinerzeits. Als zweites Stück noch eins von der ersten Platte I LIKE WHAT YOU DO. In einer Nacht und Nebelaktion verlasse ich den CD-Stand und klettere neben der Bühne von Bütec zu Bütec (Wir können hier nicht halten, das ist Bühnenteil-Land!), um der Kamera zu sagen, daß sie aufnehmen soll, weil nun die neuesten der neuen Songs kommen: erstmal KICK DA FUNK, das sich als Punkcover FUCK DA KING anböte, und THE WORLD RUNS IN CIRCUS. Ein Amerikaner kommt vorbei und kauft die CD. Er fragt etwas ungläubig, ob Schwarzkaffee aus Leipzig kommt oder nicht doch eher aus Berlin. The girl is from Börlin, the guys are from Leipzig. Anerkennender Blick unter den Dreads.

Mit FUNKOMAT und STROBO folgen zwei Stücke von IN THE MACHINE, die Anfang des Jahres in ihren ersten Versionen schon auf der Tour gerockt und gefunkt haben. Nächster CD-Käufer. Wieder ein Ami. Leipzig, was geht denn hier? Ich muß wohl demnächst Fortbildung und Sprachkurse machen, wenn das so weiter geht. BALKAN FUNK ist wieder ein nagelneuer Track, an den sich HEISZ anschließt, das definitiv zu meinen Favoriten gehört, gerade weil der Drammenbäs-Teil unglaublich schiebt. Die Herren aus Leipzig und die Dame aus Berlin verabschieden sich mit dem international anerkannten Hosenwackler SHAKE YOUR PANTS von Cameo, auch auf der neuen Platte.

Der pöbelnde Mopp, nein, der moppende Pöbel, nein die poppenden Möbel, verdammt: das Publikum dürstet nach einer Zugabe und die Band GOT THE ANSWERS TO ALL THEIR PROBLEMS, in der Setlist pfingstleipzigafin als WGTA bezeichnet. Zehn nach elf ist dann Feierabend für die Leipziger (ja, really!) Funker und die Bühne frei für Herrn Elzhi und die Will Sessions. Die ca. 250 Menschen im Saal treten etwas näher an die Bühne, Schwarzkaffee mittendrin. Der Herr mit der Mütze und der großen Prille führt abgehangen durch den Abend, zieht nicht mal die Jacke aus. Arme werden geschwunken, Hosen geschüttelt, Köpfe genickt. Großes Tennis im Conne Island, you know what I‘m sayin‘.

Elzhi @ Conne Island (© Susann Jehnichen)

Das nächste Highlight deutet sich am Bildrand an (Donnerstag!)

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